Saturday, July 18, 2009

Die Sendung mit dem Claus

Gestern kamen die ZDF-Nachrichten zum ersten Mal aus dem neuen, mit einer großen Werbekampagne einhergehenden Studio. Das Set ist komplett virtuell, nur der gigantische Tisch ist echt. Bilder und Videos gibt es zum Beispiel beim ZDF und bei DWDL.

Die Grafiken gefallen mir nicht besonders, ebenso wenig die neue Schriftart. Das Set ist zu leer und zu abstrakt, es gibt zu wenige Anhaltspunkte für den Zuschauer. Wenn schon ein virtuelles Set, dann bitte nichts abstraktes, sondern was konkretes (oder so wie die früheren Sat.1-News). Dass das ZDF sehr schöne virtuelle Sets kreieren kann, hat man mit dem "Politbarometer" und der "heute-show" eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Unglücklich beim neuen Nachrichtenstudio ist besonders, dass bei den sehr hellen Farben kein Tagesgefühl aufkommt - für die späten Sendezeiten von "heute journal" und "heute nacht" sind dunklere Farbtöne erforderlich.

Übrigens: warum muss man auf Klassiker verzichten, die sich so lange bewährt haben, dass sie schon zu "heute" gehören? Die Monitore und die Uhr hinter dem Anchor oder die herrlich altmodischen Schriftarten für Hochs und Tiefs im Wetter!

Ein Problem unabhängig vom Design sind die Moderationstexte. Beim "heute journal" hat man schon lange das Gefühl, aus der Sendung mit dem Claus sei die "Sendung mit der Maus" geworden. Werden zum Beispiel in Beiträgen 2 gegensätzliche Argumente genannt, wird deutlich "pro" und "contra" eingeblendet. Das hat was von den logo-Kindernachrichten.

Als Claus Kleber gestern das Verhältnis von CDU und CSU erklärte, hörte sich das so an:

"Angela Merkel hat sich zu ihrem Geburtstag heute etwas besonderes gegönnt: sie reiste zur CSU nach Nürnberg (deutliche Betonung auf dem S in CSU. Es beginnt eine virtuelle Erklärgrafik mit Merkels Gesicht über einer Deutschland-Karte neben Kleber). Sie ist auf die manchmal wiederborstige Schwesterpartei ziemlich angewiesen. Denn wenn Bayern nicht Teil der Bundesrepublik wäre, dann käme die CDU allein nur auf 27,8 Prozent der Stimmen (deutliche Betonung auf dem D in CDU. In der Grafik zeigt jetzt ein Balken 27,8 Prozent an). (...) Und jetzt gehört Bayern ja aber zu Deutschland. Die Wahlergebnisse fliessen zusammen, und die Union kommt so bundesweit auf 35,2 Prozent. So war das letztes Mal. Die Kanzlerin verdankte ein Fünftel ihrer Stimmen (in der Grafik blinkt jetzt der Schriftzug "Ein Fünftel") der CSU. Und sowas verpflichtet. Angela Merkel muss Seehofer Glück und Erfolg wünschen. Und wenn der die CDU manchmal ärgern muss, damit die Bayern Freude an ihm haben, dann hält die Kanzlerin das eben aus. "

German Politics for Dummies? Das ganze hat was von "switch reloaded". Spiegel online schreibt in seinem Artikel "Beam me up, Gundula":

Wirkten Claus Kleber und Gundula Gause anfangs wie kleine Mainzelmännchen am Horizont eines endlos langen Holzimitats, so rückte die Roboterkamera Klebers Kopf kurz darauf auf die Pelle, fast in Großaufnahme. Zur Schalte nach Jakarta legte der "Erste Journalist" des ZDF einige Fußmeter, mutmaßlich in Richtung "Dialogflügel", zurück, und bei der Anmoderation in Sachen CSU-Parteitag mit Horst Seehofer und Angela Merkel sah er fast aus wie Ranga Yogeshwar, der versucht, ein physikalisches Experiment zur Klimakatastrophe zu erklären.


Das "heute-journal" hat in den letzten Jahren ein Viertel seiner Zuschauer verloren. Es bleibt sehr fraglich, ob die jüngsten Veränderungen neue Zuschauer hinzuziehen, oder ob sie weitere verprellen.


Monday, June 29, 2009

Tod eines Unsterblichen

Ich bin selbst überrascht, wie viele Erinnerungen ich mit Michael Jackson verbinde, obwohl ich nie ein engagierter Fan war. Zum Beispiel, wie Michael Jackson Thema einer meiner ersten Simpsons-Folgen war. Oder wie mein Opa mir seine "HIStory"-Platte in einem kleinen CD-Laden kaufte, den es heute nicht mehr gibt. Wie ich in Boston vor Lachen fast vom Sofa gefallen wäre, als Michael Jackson bei "South Park" übel parodiert wurde. Oder wie mir ein Stein vom Herzen fiel, als ich 2005 auf N24 und Fox News miterlebte, wie Michael Jackson von allen Anklagepunkten freigesprochen wurde.
Und dann ist da diese eine Kindheitserinnerung, die alle bisher Genannten in den Schatten stellt. Am 4. November 1995 tritt Jacko bei "Wetten dass..?" auf. Ich war 10 Jahre alt, und "Wetten dass..?" war auch so schon aufregend genug. Die Presse spielte bereits im Vorfeld verrückt, und bei der Begrüßung zu Beginn der Show rief Thomas Gottschalk dem ekstatischen Publikum zu: "Tut doch nicht so, als wärt ihr wegen mir hier". Am Ende des Abends performte Jacko schließlich den Earth Song.



Von mehreren gleichaltrigen Freunden habe ich gehört, dass auch sie diesen Auftritt nie vergessen werden - eine der Kindheitserinnerungen, die bleibt.

Die Medien versuchen derzeit, den "King of Pop" treffend zu beschreiben. "König Einsam" titelt der Spiegel, andere nennen ihn "Das Pop-Gespenst", "Das monströse Genie", oder den "Mann, der niemals lebte". Auf Jackos Facebook-Seite schreibt ein Fan, dass Frank Sinatra erstmals eine Pause einlegen könne - denn Michael Jackson übernimmt jetzt das Entertainment im Himmel. "Keiner ist so hoch geflogen, und so tief gefallen". Keiner war so groß, und dabei so schwach.
Michael Jackson hat ein Leben verloren, das ich keinem wünsche. Der Planet hat seine bekannteste Persönlichkeit verloren, die Welt ist um ein Genie ärmer.


Friday, June 26, 2009

Michael Jackson 1958 - 2009



Die Welt hat einen der Großen verloren. Danke, Michael. Rest In Peace.


Thursday, June 25, 2009

Krieg gegen Terror

Dieser Blog ist mit dem Ende der Ära Bush immer unpolitischer geworden. Ich greife auch mehr Themen aus anderen Bereichen auf, es gehört ja auch zum Ziel dieses Blogs, nicht ein Thema abzudecken, sondern alle Themen, die ich aus persönlichem Interesse publizieren möchte.

Heute steht aber wieder die Politik im Mittelpunkt, denn der Tod unserer Soldaten im Auslandseinsatz bewegt mich immer sehr.

Drei deutsche Soldaten wurden am Dienstag bei ihrem Dienst in Afghanistan getötet. Sie gaben ihr Leben für eine gute Sache. Von einem "Kriegseinsatz" will die Bundesregierung in diesem Zusammenhang aber noch immer nicht sprechen. Im stern und in der Welt sind dazu zwei höchst unterschiedliche Kommentare erschienen. Beide Autoren verlagen von der Bundesregierung eine klare Nennung der Begrifflichkeiten.

Die Welt kommentiert:

Es hat lange gebraucht, bis statt von Verletzten von Verwundeten, statt von Unfalltoten von Gefallenen gesprochen werden durfte. Wie auch immer, es ist wichtig, angesichts einer von Tag zu Tag gefährlicher und unübersichtlicher werdenden Lage, die auch aus den gesetzlosen Grenzprovinzen Pakistans angeheizt wird, Klarheit der Begriffe zu schaffen.

Dienstag starben drei deutsche Soldaten, als ihr gepanzertes Fahrzeug in einen Hinterhalt der Taliban geriet. Die Bilder der Toten und die Erinnerungen der Überlebenden fanden ihren Weg nach Deutschland und zwingen der demokratischen Öffentlichkeit wie der Politik unerbittlich die Frage auf, wenn dies Krieg ist, wozu er dienen soll, wie weit er gehen kann, und wie man am Ende mit Anstand wieder herauskommt. All das ist nicht allein in Berlin zu entscheiden, sondern zusammen mit den Verbündeten.

Zusammen hinein, zusammen heraus: Alles andere würde die Atlantische Allianz, ohne die es deutsche Sicherheit nicht gibt, im Kern des Vertrauens gefährden – und ohne Vertrauen ist eine Allianz auf Termin gestellt, ja ein Fetzen Papier.
(...)
Was ist Krieg, was ist Frieden? Der neue Begriff für eine alte Sache ist der „asymmetrische Krieg“.
(...)
Heute aber gilt das Paradox, dass der irreguläre Krieg die Regel ist.
(...)
[Al Kaida und der islamistische Terror sind] eine neue Bedrohung, die nicht auf Gewinn irdischer Reichtümer oder Raub von Territorium zielt, sondern das Gewebe der Gesellschaft zerstören will. Terror heißt Schrecken: Terror zerstört jenes Gewebe von Vertrauen, das überhaupt erst die moderne Zivilisation möglich macht. Dies ist, da hatte Kanzler Gerhard Schröder anno 2001 Recht, ein Krieg gegen die Zivilisation.

Die deutschen Soldaten am Hindukusch – sie verteidigen in der Tat die freie Lebensform unserer Gesellschaft gegen den weltweiten kleinen Krieg.

Der Kommentar trifft die Situation ziemlich gut. Der stern spricht auch von einem Krieg und fordert dessen Benennung. Dort heisst es:

Aber formal gesehen sind die deutschen Soldaten in Afghanistan keine Soldaten - keine Kombattanden. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nicht den Oberbefehl. Den es gibt keinen Kriegsbeschluss des Deutschen Bundestages.
Die Bundeswehr führt keinen Krieg gegen die Armee des Staates Afghanistan, sondern sie kooperiert mit ihr und bildet sie aus. Sie buddelt keine Schützengräben, sie hilft Schulen bauen. Gekämpft wird nur, so der offizielle Sprachgebrauch, gegen Terroristen. Weil, wie der frühere Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) einmal getönt hat, der deutsche Kampf gegen den internationalen Terrorismus auch am Hindukusch stattfinden muss.
Sind also die deutschen Soldaten quasi im Frieden und für den Frieden gefallen? Mitnichten! Mit Ausnahme der Linkspartei beteiligt sich die gesamte deutsche Politik an einer unerträglichen verbalen Schönfärberei in Sachen Afghanistan. Die Bundeswehr befindet sich in einem Krieg, der sich tagtäglich verschärft. Das ist kein Stabilisierungseinsatz, es wird nicht nur technische Hilfe geleistet. (...)
Die Bundesregierung sollte endlich aufhören, um diesen Kriegseinsatz der Bundeswehr herumzulügen. In Afghanistan findet ein Krieg statt.

Das ist im Kern richtig. Im Rest seines als Artikel getarnten Kommentars bezeichnet der Autor dann den Einsatz als unsinnig und grundgesetzwidrig, zum Schluss lobt er auch noch die Linkspartei, weil sie in der Afghanistan-Frage eine "löbliche Ausnahme" mache (vielleicht meint er damit ja Oskar Lafontaine, der die deutschen Soldaten in einer TV-Runde mit den Terroristen gleichgesetzt hat).
Es mutet etwas seltsam an, dass ein linker Kriegsgegner nun nach dem Begriff "Krieg" schreit - unter Bush haben sich die Linken immer gegen den Begriff "Krieg gegen Terror" gewehrt. Obama hat diesen Begriff gerade abgeschaft, jetzt beginnen die Deutschen langsam, ihn zu benutzen. Merkwürdig.

Ich finde, die Bunderegierung sollte von Krieg sprechen. Seit dem 11. September 2oo1 ist der Westen im Krieg gegen Terror. Es ist ein Verteidigungskrieg, der ihm aufgezwungen wurde. In Afghanistan töten deutsche Soldaten Terroristen und werden von Terroristen getötet. Das ist eindeutig Krieg.

"Krieg gegen Terror" ist aber nicht nur eine Kampfhandlung mit Waffen. "Krieg gegen Terror" ist humanitäre Hilfe, die den Afghanen ein besseres Leben ermöglichen soll. "Krieg gegen Terror" ist alles, was den Terror eindämmt und dem Terror trotzt: praktische Hilfe, Nächstenliebe, medizinische Versorgung, Ausbildung. Es ist "Krieg gegen Terror", wenn wir trotz Terror-Angst mit der U-Bahn fahren. Es ist "Krieg gegen Terror", wenn wir trotz unsicherer Zeiten weiter konsumieren. Es ist "Krieg gegen Terror", wenn wir die Welt durch Freundlichkeit zu unseren Mitmenschen besser machen. Sind wir nett zu Anderen, führe wir damit einen Krieg gegen die menschenverachtende Ideologie der Terroristen.
Zum "Krieg gegen Terror" gehören verschiedene Militäreinsätze, weit weg von hier. Der "Krieg gegen Terror" ist aber auch eine Alltagssituation, eine Mentalität, in der wir alle uns seit 2001 permanent befinden.

Unsere Soldaten sind im Krieg, wir sind im Krieg. Vielleicht hören die Deutschen jetzt auf, das zu verdrängen.


Thursday, June 18, 2009

Der Fliegenfänger von Washington

Fliegentöter, um korrekt zu sein. Barack Obama wurde während eines Interviews mit CNBC von einer Fliege gestört und erschlug sie kurzer Hand. Die Medien sind natürlich beeindruckt, sogar das heute-journal berichtete gestern über den Vorfall.


Besonders lustig ist natürlich der Schriftzug: BREAKING NEWS - Pres. Obama swats fly during CNBC Interview in White House. Die NBC Today-Show lobt die "unglaubliche Präzision" Obamas, stern online schreibt schwer beeindruckt und ohne jede Ironie: "Ihm gelingt einfach alles".

Obama kommentierte selbstherrlich: "Das war beeindruckend, oder?"; und auf die tote Fliege deutend: "Wollt ihr die mal filmen?". Bleiben wir aber fair, bei einem Präsidenten, dessen Politik ich mag, hätte ich diesen peinlichen Auftritt wohl lustig gefunden. Auffallend ist allemal das Jubeln der amerikanischen und europäischen Medien, die so tun, als hätte Obama mit der Fliege auch die Finanzkrise erschlagen.

Natürlich freut sich nicht jeder über die ungewohnt entschlossene und martialische Aktion des Präsidenten. Die Tierrechtler von Peta nämlich.

The group People for the Ethical Treatment of Animals wants the flyswatter in chief to try taking a more humane attitude the next time he's bedeviled by a fly in the White House.

PETA is sending President Barack Obama a Katcha Bug Humane Bug Catcher, a device that allows users to trap a house fly and then release it outside.

We support compassion even for the most curious, smallest and least sympathetic animals," PETA spokesman Bruce Friedrich said Wednesday. "We believe that people, where they can be compassionate, should be, for all animals. (...) Friedrich said that PETA was pleased with Obama's voting record in the Senate on behalf of animal rights and noted that he has been outspoken against animal abuses. Still, "swatting a fly on TV indicates he's not perfect," Friedrich said, "and we're happy to say that we wish he hadn't."


Man kann es ja nicht jedem rechtmachen.


Monday, June 08, 2009

Buchtipp: "Die letzte Plage"

Das Buch, dass ich gerade lese (bin fast durch) handelt von Terrorismus unter anderem gegen Flugzeuge. In "Die letzte Plage" von Emily Benedek explodieren 4 große Verkehrsflugzeuge in der Luft. Die Parallelen zum Air-France-Flug 447 sind bestürzend, auch wenn natürlich noch nicht geklärt ist, was dessen Absturz verursacht hat.
Im Buch wurde der Sprengstoff von Islamisten im Video-Unterhaltungs-System der Flugzeuge an Bord geschmuggelt. Die junge Luftfahrtjournalistin Marie Peterssen beschäftigt sich mit der Story und ist dabei so gut, dass der israelische Geheimdienst sie rekrutiert. Sie reist nun über München (einer der Anschlagsorte) nach Bagdad, wo sie entführt wird. Das Ganze bekommt einen persönlichen Hintergrund, als Marie erfährt, dass ihr unbekannter Vater entweder der tote Partner ihres israelischen Kontaktmannes oder aber der Top-Terrorist ist. Letzterer versucht indes, Atombomben nach New York City zu schmuggeln.

Der kurzweilige Roman reicht natürlich nicht an einen Tom Clancy heran, bietet aber spannende und realitätsnahe Unterhaltung. Wie man beim englischen Originaltitel "Red Sea" auf den deutschen Titel kommt, bleibt aber ein Geheimnis.

Friday, June 05, 2009

RTL zeigt "Erwachsen auf Probe"

Lange gab es im Vorfeld einer TV-Sendung nicht mehr so viel Streit: weil in der RTL-Sendung "Erwachsen auf Probe" Babys an jugendliche Paare "verliehen" werden, haben Kinderschützer und Gutmenschen aller Art ein Verbot der "Skandal-"Sendung gefordert.
Am Mittwoch lief nun die erste Doppelfolge, und die war vor allem eins: zum Brüllen komisch!
Ich persönlich hatte erwartet, dass die Sendung lustig wird, aber dass es eine reine Comedy wird, hat dann doch überrascht. stern online fasst in einem sehr lustigen Artikel über die Show unter anderem die Beziehung von Elvir und Nadine zusammen:

Elvir hatte einen Traum. Er träumte, dass ihn seine Freundin Nadine betrogen hat. Das war schlimm. Denn der 17-Jährige liebt Nadine über alles. "Sie hat ein gutes Herz", sagt er, "und sie ist sauber." Das ist die halbe Miete. Doch eines stört ihn gewaltig: Nadine steht auf schwarze Männer. Wenn sie Lieder hört, die von schwarzen Männern gesungen werden, flippt er schon mal aus. Oder wenn sie "asozial" mit ihm redet und keinen Respekt zeigt. Einmal hat er ihr eine gelangt dafür, seitdem ist Ruhe. Nadine hat die Lektion verstanden. Sie versteht auch, dass Elvir nicht arbeiten kann. Er hat es in einer Waschstraße versucht. Nach zwei Autos war Schluss, keine Kraft mehr. Er war so fertig, dass er "nicht mehr richtig denken konnte."

Es war ohne Übertreibung Comedy, als besagter Elvir vom Autowaschen nach Hause kam und mit einer einzigartigen Leidensmine erklärte: "Es ist mir einfach nicht gelungen, Baby". Im weiteren Verlauf der Sendung legt er sich im Schlaf auf die Baby-Puppe (die echten Babys kommen erst nach erfolgreicher Versorung eines Dummys), die Puppe stirbt. Elvir sorgt sich mehr um einen Alptraum, den er in dieser Nacht gehabt hat. Darin hat Nadine ihn betrogen, "voll schlimm".

Die anderen Protagonisten sind ähnlich komische Gesellen: ein angehender Erzieher im Emo-Look, ein tätowierter Kleinkrimmineller, der zwischendurch mal zum Gerichtstermin muss, und ein metrosexueller Gymnasiast, der sich mit seiner Freundin sehr ernsthaft über die dekorative Positionierung von Sofakissen streitet. Die Freundinnen wünschen sich alle ein Baby.

Geraucht und geflucht wird freilich ohne Unterlass. Ersteres immerhin nicht in der Nähe der Babys, die dann gegen Ende der Sendung tatsächlich kommen. Die Teenies sind beeindruckt und versuchen vorsichtig, alles richtig zu machen. Das klappt auch auf den ersten Blick ganz gut. In den nächsten Folgen werden sie auch Schulkinder und schließlich Pubertierende versorgen müssen, Streit wird schon im Trailer für die nächste Woche versprochen.

Über den Streit im Vorfeld schreibt Spiegel online:

Mag sein, dass es unter den vielen Kritikern vernünftige Stimmen gibt, mit denen sich eine ernsthafte Diskussion führen ließe - nur gehen die leider in all den Weltuntergangsbeschwörungen unter. Dass derzeit so undifferenziert und populistisch gestritten wird, macht eine ehrliche Debatte nicht nur unmöglich, sie ist offenbar auch gar nicht erwünscht. Nicht von den entsetzten Verbänden, bei denen sich in weniger schlagzeilenträchtigen Fällen sonst kaum einer um das schert, was tagtäglich Schlimmeres im Fernsehen verbrochen wird, und genauso wenig von RTL, wo man sich auf das Argument versteift hat, mit der Sendung ein pädagogisches Ziel zu verfolgen, indem Teenagern erklärt werde, welche Verantwortung das Elternsein mit sich bringe.

Stimmt. Ich denke: die Sendung ist eine nicht sehr realitätsnahe Doku-Soap, die sehr lustig ist. Ein kleiner pädagogischer Effekt besteht immerhin darin, dass die Teenager wirklich lernen, dass es eine große Verantwortung bedeutet, ein Kind zu haben. Einige der Protagonisten zum Beispiel haben durch die Sendung ihren Kinderwunsch um ein paar Jahre nach hinten verschoben. Und die Babys sind nicht wirklich "in Gefahr", die Eltern sind immer in der Nähe, eine erwachsene Erzieherin immer im Raum.
Ich werde also mit Vergnügen wieder einschalten.

Und zum Schluss noch ein guter Tipp: natürlich bloggt auch Stefan Niggemeier was lustiges über die Sendung. Lesen!


Tuesday, May 19, 2009

Was macht Obama?

Das von den Medien gefeierte 100-Tage-Jubiläum von Obama liegt schon etwas zurück - und mittlerweile macht er auch in der linken Presse schlechte Schlagzeilen.

Nach einem holprigen Start mit immensen Schwierigkeiten bei der Ernennung von Ministern hat Obama insbesondere in den letzten Tagen bei vielen Leuten für Unmut gesorgt.

Da wäre zunächst das leidige Thema Guantanamo. Obama hat im Wahlkampf angekündigt, das Lager zu schliessen - andere CIA-Geheimgefängnisse will er aber nicht antasten (zu recht). Agenten und Soldaten, die im Krieg gegen den Terror "gefoltert" haben sollen, lässt Obama straffrei ausgehen - zu Recht, doch linke Organisationen wie die ACLU toben schon. Das dicke Ende kam letzte Woche: Obama will die Militärtribunale in Gitmo, die er gleich nach Amtsantritt medienwirksam abgeschafft hat, wieder einführen. Das hat linke Amerikaner (wie die Schreiberlinge der Huffington Post) auf die Palme gebracht. Die deutschen Medien waren, gelinde gesagt, irritiert über den Kurswechsel ihres Heilsbringers (Spiegel online schrieb zum Beispiel: "Der US-Präsident will nun tatsächlich einige der umstrittenen Militärtribunale für Guantanamo-Häftlinge wieder aufnehmen...").
Obama schockte Militärs, Geheimdienste und seine eigenen Sicherheitsberater mit der Ankündigung, neue "Folterfotos" zu veröffentlichen. Wenige Tage später machte er einen Rückzieher, die Veröffentlichung würde dem Ansehen Amerikas und der Sicherheit der Truppen schaden. Das wusste jeder vorher schon, wozu diese peinliche Scharade?

Als Konservativer kann man an dieser Stelle sagen: Obama lernt im Amt dazu, sehr schön. Schadenfreude über die Enttäuschung linker Träumer ist durchaus erlaubt.

Die Freude endet rasch bei anderen Aspekten dieser Präsidentschaft. Obama ist laut Spiegel der teuerste Präsident seit 1945 - wie sich das auf die größte Volkswirtschaft und damit die Weltwirtschaft auswirken wird, werden wir erleben.

Ein jährliches Gebetstreffen im Weissen Haus hat Obama indes abgesagt.

Diese Woche nun war der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu zu Gast im Weissen Haus. Die Stimmung war frostig. Als Erfolg sei der Staatsbesuch bereits zu bewerten, wenn es nicht zu einem offenen Eklat komme; hiess es im Vorfeld. Das ist besonders schade: Israel hat eine hervorragende neue Regierung bekommen. Wenn jetzt noch Israel-Freund Bush im Amt wäre, könnte vielleicht wirklich etwas erreicht werden. So wird der Friedensprozess aber kaum vorankommen.

Die größte Angst für Konservative und besonders für Christen ist Obamas Macht über den Obersten Gerichtshof. Auch hier geht es jetzt los: der von George H. W. Bush eingesetzte Richter David Souter geht diesen Sommer in Rente, und Barack Obama darf sich einen Neuen aussuchen. Man darf gespannt sein - und hat wenig Grund zur Hoffnung auf eine vernünftige Entscheidung. In wichtigen Fragen wie der nach dem Abtreibungsrecht wird der Supreme Court nach links rücken.

Ein kleines Fazit: Obama lernt in sicherheitspolitischen Fragen dazu und verärgert somit seine linken Jünger. Er distanziert sich von christlichen Werten und Traditionen sowie von Israel und bestätigt damit die Ängste von Christen und Konservativen.
Diese negativen Seiten überwiegen leider im Vergleich zu den kleinen Fortschritten.

Thursday, May 14, 2009

DVD-Tipp: Black Symphony

Seit Ostern habe ich die DVD "Black Symphony" der niederländischen Gothic-Rock-Metal-Band "Within Temptation" (einer der besten Bands überhaupt). Es ist die beste DVD meiner recht großen Sammlung.

"Black Symphony" ist die Aufzeichnung eines gigantischen Konzerts in der Ahoy-Arena Rotterdam mit Within Temptation, The Metropole Orchestra, dem Pa'dam-Chor - und über 10.000 Fans. Jede Gruppe veröffentlicht mittlerweile Live-DVDs, "Black Symphony" ist sicherlich Referenzklasse.

Kaum legt man die DVD in den Player, beginnt der Spass: schon das Menü hat einen kräftigen Score in Dolby Digital, aus allen Boxen erschallt Donner, Regen und ein düsterer Choral.
Das 2-Stündige Konzert (16:9, dts surround, auf Blu-Ray in HD) beinhaltet 22 Songs, darunter 10 aus dem aktuellen Album "The Heart Of Everything". Bevor die Band auf die Bühne kommt, spielt zunächst nur das Orchester, diese Sequenz ist noch in schwarz-weiss. Dann beginnt die wirklich unglaubliche Show mit Within Temptation. Sängerin Sharon den Adel überzeugt 100 Prozent, das Zusammenspiel mit dem Orchester funktioniert reibungslos und gibt einigen Titeln eine ganz neue Färbung. Die Blasinstrumente wirken dabei einen Hauch zu dominant, das Piano etwas zu schwach. Das ist aber Kritik auf einem sehr hohen Niveau. Für "What Have You Done?" kommt mit Keith Caputo der erste Gast des Abends auf die Bühne. "Stand My Ground" wirkt live um Längen besser als auf dem Studio-Album.

Nach acht lauten Titeln versammelt sich die Gruppe in einem kleinen Kreis und spielt vier ruhige Lieder. "Forgiven" wird wieder in schwarz-weiss gezeigt. Das eher langweilige Stück "Somewhere" wird dank eines Überraschungsauftritts von Anneke van Giersbergen zu einem Höhepunkt des Abends. Das Duett der beiden so genial wie unterschiedlichen Frauenstimmen bleibt einem noch lange in den Ohren.

Dann wird es wieder laut, und zwar lauter als vorher. "Our Solemn Hour" ist zusammen mit dem Chor die Gothik-Glanznummer des Abends. Danach kommt wieder ein Gast - bei "The Other Half (Of Me)" grunzt George Oosthoek gegen Sharons schrillen Gesang an - ich finde sowas immer unfreiwillig komisch, gut, dass bei Within Temptation nicht so oft gegruntet (sagt man das so?) wird. Genial ist die Nummer trotzdem.

"The Truth Beneath The Rose" ist schließlich die beste Performance des Abends. Leider ist dies auch das Lied, bei dem man an deutlichsten merkt, dass Within Temptation alles andere als eine christliche Band ist: der Text handelt von der Suche nach einer Wahrheit, die nicht eindeutig ist, und zweifelt das Sühneopfer Christi an ("How can blood be our salvation..."). Mit 7 Minuten länge, Chor, Gitarrensolo und jeder Menge Pyrotechnik ist die Darbietung trotzdem ein Erlebnis.
Eine teufelsähnliche Gestalt läuft übrigens schon einige Stücke zuvor bei "Hand of Sorrow" durchs Bild. Die Musik wird nämlich optisch durch passende Effekte auf einer Videowand ergänzt, die hin und wieder für Sekundenbruchteile ins Hauptbild geschnitten werden. Bei "The Cross" sieht man eine junge Frau, die sich Wunden in den Arm ritzt.

Das Konzert endet mit "Ice Queen", dem ersten großen Hit der Band. Die DVD geht mit zahlreichen Extras weiter - auf einer Bonus-Disc finden sich ein weiteres, kleineres Konzert und Musikvideos.

An "Black Symphony" müssen sich künftig alle Musik-DVDs messen lassen. Daher ist das Konzert nicht nur für Fans empfehlenswert. Diese DVD ist in jedem Fall sehens- und hörenswert. Ein Manko: bei der DVD gibt es die Songtexte nicht als Untertitel. Englisch untertitelt sind die wenigen Sätze, die die Band ans Publikum richtet - die hätte man auch gleich auf Englisch sagen können, zumal das Publikum aus vielen verschiedenen Ländern kam. Ich muss aber zugeben, dass ich Niederländisch als eine sehr schöne Sprache empfinde. Dass Within Temptation auf dem 2010 erscheinenden neuen Album holländisch singt, bleibt aber unwahrscheinlich!
.....
"Black Symphony" gibt es als Blu-Ray, als Doppel-DVD und als Doppel-DVD mit Doppel-CD unter anderem bei amazon.

Video: Offizieller DVD-Trailer "Our Solemn Hour"


Der Starbucks-Hype erobert Polen

In Warschau hat erstmals ein Starbucks aufgemacht, und das mit Erfolg - wie dieser unterhaltsame Artikel der Washington Post dokumentiert. Auszug:

After the new Starbucks opened, I walked by the place a couple of times, just to see the crowds. (...) Up and down the street, blue-jeaned students and dark-suited stockbrokers carried their white paper cups with pride, the famous green label facing outward. (...)
Looking at that line of 20-somethings, all waiting patiently for the chance to pay twice as much for a cup of coffee as they would pay across the street, one had to wonder what was up. (...)
But even if you haven't quite attained that financial latitude, you can pretend to have done so at Starbucks. If you are still a student, or if you are just starting out in the stock market or fashion, you might not yet have the money to buy designer shoes or a new car. You are therefore more likely to indulge in small luxuries, such as overpriced coffee. (...)

Stimmt.

Monday, May 11, 2009

GEZ-Gebühren

Letzte Woche wurde in einem Seminar an der Uni über GEZ-Gebühren diskutiert. Mehrere Leute meinten, dass die Gebühren gute und schlechte Seiten haben und wollten sich nicht eindeutig dafür oder dagegen positionieren.
Ich verstehe nicht, was an den Gebühren zweideutig sein soll. Bürger werden von der GEZ erpresst, für ein meist ungeniessbares Produkt zu bezahlen, dass sie nicht bestellt haben und das sie meistens auch nicht konsumieren werden. Das klingt in meinen Ohren sehr eindeutig: falsch.