Monday, September 28, 2009

Wie es weitergehen sollte

Deutschland bekommt zum Glück eine neue Regierung, und hat somit die Chance, dass einige Dinge in Zukunft besser laufen werden. Besonders schön wäre es, wenn ein paar der folgenden Sachen passieren würden:

Guido Westerwelle sollte sich um das Ressort Wirtschaft kümmern. Das kann er am besten, und viele Deutsche zweifeln an seinem möglichen Auftreten als Außenminister.

Der neue Außenminister könnte dann Herr zu Guttenberg werden. Das ist ein Ressort, in dem er sich sowieso schon auskennt, und ein solcher Sympathieträger sollte in der Regierung präsent sein.

Horst Seehofer sollte irgendwie davon abgehalten werden, Westerwelle zu verärgern, peinlich zu sein und ungute Sachen zu sagen. Denn wenn er Westerwelle ärgert, könnte das zu unnötigem Koalitionskrach führen.

Die CDU darf sich in den Koalitionsverhandlungen in Sachen Sicherheitspolitik nicht abzocken lassen. Wolfgag Schäuble hat uns - wie auch schon sein Vorgänger Otto Schily - Sicherheit gegeben. Mehrere Terroranschläge in Deutschland wurden erfolgreich verhindert. Da Sicherheitspolitik die große Schwachstelle der FDP ist, ist hier extreme Vorsicht geboten! Andererseits hatte die FDP zum letzten mal Regierungsverantwortung auf Bundesebene vor dem 11. September 2001 - vielleicht sehen sie schnell ein, dass man inzwischen in ein paar Fragen umdenken muss.

Angela Merkel muss den Spagat zwischen Mutti der Nation und Eiserner Lady schaffen, ohne die Wähler 2013 in die Arme einer linken Koalition unter einem Kanzler Klaus Wowereit zu treiben.

Und most of all: Hört endlich auf, Steuergelder zu verschwenden! Kürzt die Ausgaben! Lasst die Menschen behalten, was sie verdienen! Weniger Umverteilung bedeutet mehr Gerechtigkeit! Gebt zu, dass wir in Afghanistan im Krieg sind! Baut Bürokratie und Verwaltung ab!

Dann geht unser Land wieder in die richtige Richtung!


Sunday, September 27, 2009

Wahl aktuell

Es reicht für schwarz-gelb! Großartig! Mit der FDP zieht nach 11 Jahren wieder wirtschaftspolitische Vernunft in die Regierung ein! Leider ist zu befürchten, dass dies auf Kosten unserer Sicherheit geht - die Schwachstelle der Liberalen. Die CDU hat auf niedrige Niveau leicht verloren, auch an der Union sind die zähen Jahre der Großen Koalition natürlich nicht spurlos vorüber gegangen. Glückwunsch an Angela Merkel und Guido Westerwelle, auf gute 4 Jahre! God bless Germany!

Wahltipp

Mein Tipp, eine Stunde vor Schließen der Wahllokale:

CDU 34%
SPD 26%
FDP 14%
Linke 12%
Grüne 9%

Einige Überhangmandate für die CDU werden aber helfen.

Friday, September 18, 2009

Blogpause vorbei

Gute Nachrichten: eine lange Blogpause geht hiermit zu Ende! In Kürze werde ich von meiner USA-Reise berichten, ein paar Gedanken zur Politik äußern (trotz Bundestagswahl ist in Amerika mal wieder alles interessanter) und nach wie vor einfach schreiben, was mich gerade beschäftigt oder mir interessant vorkommt. In diesem Jahr werde ich auch einen Tipp für den Wahlausgang veröffentlichen - aber erst am 27. kurz vor 18 Uhr! Schaut also wieder vorbei!

Monday, August 03, 2009

100 Dinge (2): ZDF-Fernsehgarten

"Das wollte ich schon immer mal machen..." - eine Liste mit solchen Dingen haben die meisten Menschen im Hinterkopf. In der Serie "1oo Dinge" berichte ich von Dingen auf meiner Liste, die ich in die Tat umgesetzt habe. Folge 2: Ein Besuch im ZDF-Fernsehgarten

Mainz ist nicht weit weg, und das Praktikum meiner Freundin beim ZDF war die ideale Gelegenheit, endlich, endlich mal den berühmten Fernsehgarten (viele weitere Fotos im Facebook, Bilder und Videos beim ZDF) zu besuchen.
Für die wenigen, die die Sendung nicht kennen: der Fernsehgarten ist eine Musik- und Spielshow mit einer über 20-jährigen Tradition beim ZDF. Produziert wird sie in den Sommermonaten live und open air auf dem ZDF-Gelände in Mainz. Als Zielgruppe würde ich Senioren mit ihren Enkeln angeben, aber tatsächlich waren auch viele junge Leute (vielleicht wegen Daniel Schumacher) und Paare mittleren Alters da. In der 3-stündigen Show passiert eine Menge, hier eine kleine Auswahl.

Moderatorin Andrea "Kiwi" Kiewel (Foto) führt gewohnt heiter durch das sehr schlagerlastige Programm. Eigentlich ist es sinnvoll, bei der Show keine Platzkarten zu haben, denn die Mehrheit des Publikums bewegt sich sowieso über das Gelände, um die Aktionen auf den verschiedenen Bühnen zu sehen. Animiert wird man dort von mehreren Warm-Uppern, die das Klatschtempo vorgeben und Tafeln mit den Liedertexten hochhalten, damit das Publikum auch mitsingen kann (doch wer braucht beim Lied vom roten Gummiboot noch eine Texthilfe?). Jedenfalls ist die Atmosphäre sehr fröhlich und entspannt, auch wenn Sendeassistentinnen mal eben den Poolbereich für einen Kameramann räumen wollen, innerhalb von 30 Sekunden, "einfach drängeln, das ist am einfachsten". Eine Dame um die 40 erzählt mir, sie sei wegen Andre Stade hier. Der präsentiert einen Hit mit dem vielsagenden Titel "Du hast noch immer Sterne in den Augen". Das Motto heute ist Italien, darum wird natürlich Pizza gebacken und Eis verschenkt. Darüber hinaus sind dutzende kleine Fiat 500 auf dem ganzen Gelände ausgestellt.
Der berühmteste Gast der Sendung war Kristina Bach, die mir ein Autogramm gegeben hat. Model Jana-Ina ("Das Model und der Freak") kam mit ihrem Mann Giovanni. Offensichtlich ist sie Linkshänderin, denn beim Autogrammeschreiben flüsterte eine Mutter zu ihrer Tochter: "Guck mal, die schreibt mit links!!". Ich wollte schon "Wahnsinn, genau wie Obama" rufen, tat es dann aber doch nicht. Nach fast 3 Stunden Entertainment inklusive einer Horde Halbnackter, die mit bunt bemalten Körpern das Sendelogo nachstellten, wurden noch die Wildecker Herzbuben als Mainzelmännchen verkleidet.

Fazit:

Es war sehr nett beim ZDF, und ich habe vor, nächstes Jahr wiederzukommen. Eine so große Show ist auch für Leute fern der Zielgruppe interessant mitzuerleben.


Saturday, August 01, 2009

Nahrungsimperialismus

Nun ist es soweit: in der verschlafenen Vorstadt, die dem Autor dieser Zeilen lange Zeit eine ruhige Heimat geboten hat, gibt es seit wenigen Tagen ein Restaurant der Kette "Burger King". Das fühlt sich irgendwie merkwürdig an, da die Stadt bisher ein recht ländliches Nest war. Will man in einem Ort wohnen, der einen Burger King hat? Philosophie.
Die Kleinstädter reagieren gemischt. Die Frisörin dieses Autors, eine junge Mutter, ist begeistert und will regelmässig in besagtem Restaurant einkehren. Der Automechaniker von Gegenüber hätte den Burgerladen "nicht gebraucht". Eine andere Mutter seufzt: "Wenn es wenigstens ein Mc Donald's wäre...".
Die Dorfjugend hingegen ist begeistert: zu später Stunde findet eine regelrechte Völkerwanderung zum vor den Toren der Stadt gelegenen Systemgastronomen statt. Wie praktisch, dass gegenüber des Burger King eine Tankstelle liegt, die dessen Speisekarte mit Alkohol ergänzt. Unpraktisch für nüchterne Autofahrer, die den halbstarken Fußgängern dann ausweichen müssen.

Der Imperialismus der Nahrungsmittel ist also auch in der Kleinstadt angekommen. Wenn es wenigstens ein Starbucks wäre...


100 Dinge (1): Fleischokolade

"Das wollte ich schon immer mal machen..." - eine Liste mit solchen Dingen haben die meisten Menschen im Hinterkopf. In der Serie "1oo Dinge" berichte ich von Dingen auf meiner Liste, die ich in die Tat umgesetzt habe.
Folge 1: Fleich mit Schokolade essen

Immer öfter hört man von Rezepten, die Fleisch mit Schokolade kombinieren - beides lecker, aber geht das auch zusammen? Als ich neulich mit großem Hunger auf dem Geburtstag eines Freundes ankam, war ich vom Buffet so überwältigt, dass ich mich nicht entscheiden konnte. Also habe ich Hauptgericht und Dessert kombiniert, und statt Kräuterbutter eine Kugel Schokoladeneis auf mein Steak getan. Schon vor dem Verzehr musste ich mir einige vorwurfsvolle und irritierte Blicke gefallen lassen.
Das Schokoeis schmolz langsam auf meinem Steak dahin und vermischte sich mit dem Fleischsaft. Geschmacklich war die Angelegenheit nicht gut. Das Eis war sehr dominant, so dass das Fleisch nicht zu schmecken war. Gleichzeitig hat aber das Eis nicht nach Schokoladeneis, sondern irgendwie merkwürdig geschmeckt.
Fleisch mit Schokolade schmeckt dann gut, habe ich mir sagen lassen, wenn die Schokolade unverfälscht verwendet wird - im Eis sind schon zu viele Zusatzstoffe, die sich dann nicht mit dem Fleisch vertragen.

Fazit:

Eis zusammen mit Steak schmeckt nicht. Es gibt aber wohl andere Fleischokolade-Rezepte, die besser sind. Von solchen Experimenten habe ich aber erstmal genug.


Friday, July 24, 2009

Die Supernase von Paris

Nein, eine gewisse Hotelerbin hat keine neue Nase. Es geht wirklich um die Stadt. Im weitesten Sinne zumindest. Ich habe nämlich vor einiger Zeit den Film "Das Parfum" gesehen, und ohne eine ewig lange Kritik zu schreiben, wollte ich den einfach mal weiterempfehlen. Ich war sehr beeindruckt.

Ich hatte vor langer Zeit in der Schule ein Referat über das Buch gehört und fand die Story interessant. Im Kino hab ich den Film verpasst, neulich kam ich dann endlich mal dazu. 147 Minuten lang, inszeniert von Tom Tykwer, ist "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" ein spannendes und fantasievolles Märchen. Für diejenigen, die die Story nicht kennen, sei auch nicht zu viel verraten. Es geht um einen verwirrten jungen Mann, der mit einem alleskönnenden Geruchssinn geboren wird. Vor der schönen Kulisse des historischen Frankreich bringt er dann reihenweise junge Frauen um, um aus deren Körpern ein Parfum herzustellen, welches schließlich Zauberkräfte hat. Der Film ist weit irrer, als das jetzt klingt. Er bietet aber einiges: gute Kamera, tolle Kulissen und Kostüme, prima Darsteller. In einer Nebenrolle glänzt ein gut aufgelegter Dustin Hoffman (man erkennt seine Synchronstimme und fragt sich: ist er das wirklich?). Kaum wahrnehmbar taucht später die wunderbare Corinna Harfouch kurz auf. Die dezente Musik passt sehr gut zum Film.

"Das Parfum" ist ein Film, den man sich mehrfach ansehen sollte, um sämtliche Metaphern und Aspekte zu bemerken und zu verstehen: schon zu Beginn wird der Zuschauer beispielsweise mit einer Christus-Analogie konfrontiert. Weil er stellenweise so extrem ist (trotzdem ab 12 freigegeben), hat der Film (wie aber auch das Buch von Patrick Süskind) viele Leute angewidert. Und er ist wirklich stellenweise eklig und irre - aber auf eine sanfte, poetische Art und Weise. Ein beeindruckender Spagat, den man wirklich gesehen haben muss!

(Und alle, die nun enttäuscht sind, weil sie sich von der Überschrift doch etwas anderes versprochen haben, dürfen hier klicken.)



Wednesday, July 22, 2009

News Set Design

Das neue Outfit der ZDF-Nachrichten ist ein guter Aufhänger, um ein paar interessante Links zum Thema Set-Design loszuwerden. "Maß aller Dinge" (N24-Chef Torsten Rossmann) sind hierbei amerikanische Firmen - N24 hat sein neues Hauptquartier am Potsdamer Platz wie schon das alte Set in der Oberwallstraße von der Express Group (San Diego) entwerfen und aufbauen lassen. Anders als beim ZDF sind diese Studios real, nicht virtuell - wie fast alle in den USA: der Blog SetStudio beobachtet das Studio-Design amerikanischer Nachrichtensendungen genau. Ein weiterer wichtiger Designer ist die FX Group.

Mit dem Design des "CNN ELECTION CENTER" in New York (CMB online berichtete) hat sich eine bis dahin eher unbekannte Designfirma besonders hervorgetan: Clickspring (viele tolle Bilder auf der Homepage). In Deutschland kann man die Arbeit von Clickspring beim neuen Set von CNN International sehen. Was die Studios von Clickspring in meinen Augen am meisten von den Konkurrenten unterscheidet, sind die ungewöhnlichen Böden und die für Nachrichtenstudios neue Nutzung von (Plexi-) Glaselementen.

Das kommt an: Clickspring durfte die neuen Studios und den Newsroom von NBC/MSNBC im Rockefeller Center einrichten, und hat die besonderen Herausforderungen (z. B. niedrige Decken) sehr gut gelöst. Für Fox News hat Clickspring das für europäische Augen sicher ungewöhnlichste Nachrichtenset entworfen: der Boden sieht zum Teil aus wie ein Schwimmbad, der Schreibtisch des Moderators kann für manche Moderationen als Catwalk genutzt werden. Die neueste und genialste Arbeit der Firma: Fox Business. Ich finde das Zusammenspiel von Möbeln und Farben unglaublich, und es ist sehr schade, dass nicht mehr deutsche Fernsehsender den Mut haben, so kreativ zu sein.

Kurz gesagt: Clickspring ist genial. Sagts weiter.


Saturday, July 18, 2009

Die Sendung mit dem Claus

Gestern kamen die ZDF-Nachrichten zum ersten Mal aus dem neuen, mit einer großen Werbekampagne einhergehenden Studio. Das Set ist komplett virtuell, nur der gigantische Tisch ist echt. Bilder und Videos gibt es zum Beispiel beim ZDF und bei DWDL.

Die Grafiken gefallen mir nicht besonders, ebenso wenig die neue Schriftart. Das Set ist zu leer und zu abstrakt, es gibt zu wenige Anhaltspunkte für den Zuschauer. Wenn schon ein virtuelles Set, dann bitte nichts abstraktes, sondern was konkretes (oder so wie die früheren Sat.1-News). Dass das ZDF sehr schöne virtuelle Sets kreieren kann, hat man mit dem "Politbarometer" und der "heute-show" eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Unglücklich beim neuen Nachrichtenstudio ist besonders, dass bei den sehr hellen Farben kein Tagesgefühl aufkommt - für die späten Sendezeiten von "heute journal" und "heute nacht" sind dunklere Farbtöne erforderlich.

Übrigens: warum muss man auf Klassiker verzichten, die sich so lange bewährt haben, dass sie schon zu "heute" gehören? Die Monitore und die Uhr hinter dem Anchor oder die herrlich altmodischen Schriftarten für Hochs und Tiefs im Wetter!

Ein Problem unabhängig vom Design sind die Moderationstexte. Beim "heute journal" hat man schon lange das Gefühl, aus der Sendung mit dem Claus sei die "Sendung mit der Maus" geworden. Werden zum Beispiel in Beiträgen 2 gegensätzliche Argumente genannt, wird deutlich "pro" und "contra" eingeblendet. Das hat was von den logo-Kindernachrichten.

Als Claus Kleber gestern das Verhältnis von CDU und CSU erklärte, hörte sich das so an:

"Angela Merkel hat sich zu ihrem Geburtstag heute etwas besonderes gegönnt: sie reiste zur CSU nach Nürnberg (deutliche Betonung auf dem S in CSU. Es beginnt eine virtuelle Erklärgrafik mit Merkels Gesicht über einer Deutschland-Karte neben Kleber). Sie ist auf die manchmal wiederborstige Schwesterpartei ziemlich angewiesen. Denn wenn Bayern nicht Teil der Bundesrepublik wäre, dann käme die CDU allein nur auf 27,8 Prozent der Stimmen (deutliche Betonung auf dem D in CDU. In der Grafik zeigt jetzt ein Balken 27,8 Prozent an). (...) Und jetzt gehört Bayern ja aber zu Deutschland. Die Wahlergebnisse fliessen zusammen, und die Union kommt so bundesweit auf 35,2 Prozent. So war das letztes Mal. Die Kanzlerin verdankte ein Fünftel ihrer Stimmen (in der Grafik blinkt jetzt der Schriftzug "Ein Fünftel") der CSU. Und sowas verpflichtet. Angela Merkel muss Seehofer Glück und Erfolg wünschen. Und wenn der die CDU manchmal ärgern muss, damit die Bayern Freude an ihm haben, dann hält die Kanzlerin das eben aus. "

German Politics for Dummies? Das ganze hat was von "switch reloaded". Spiegel online schreibt in seinem Artikel "Beam me up, Gundula":

Wirkten Claus Kleber und Gundula Gause anfangs wie kleine Mainzelmännchen am Horizont eines endlos langen Holzimitats, so rückte die Roboterkamera Klebers Kopf kurz darauf auf die Pelle, fast in Großaufnahme. Zur Schalte nach Jakarta legte der "Erste Journalist" des ZDF einige Fußmeter, mutmaßlich in Richtung "Dialogflügel", zurück, und bei der Anmoderation in Sachen CSU-Parteitag mit Horst Seehofer und Angela Merkel sah er fast aus wie Ranga Yogeshwar, der versucht, ein physikalisches Experiment zur Klimakatastrophe zu erklären.


Das "heute-journal" hat in den letzten Jahren ein Viertel seiner Zuschauer verloren. Es bleibt sehr fraglich, ob die jüngsten Veränderungen neue Zuschauer hinzuziehen, oder ob sie weitere verprellen.


Monday, June 29, 2009

Tod eines Unsterblichen

Ich bin selbst überrascht, wie viele Erinnerungen ich mit Michael Jackson verbinde, obwohl ich nie ein engagierter Fan war. Zum Beispiel, wie Michael Jackson Thema einer meiner ersten Simpsons-Folgen war. Oder wie mein Opa mir seine "HIStory"-Platte in einem kleinen CD-Laden kaufte, den es heute nicht mehr gibt. Wie ich in Boston vor Lachen fast vom Sofa gefallen wäre, als Michael Jackson bei "South Park" übel parodiert wurde. Oder wie mir ein Stein vom Herzen fiel, als ich 2005 auf N24 und Fox News miterlebte, wie Michael Jackson von allen Anklagepunkten freigesprochen wurde.
Und dann ist da diese eine Kindheitserinnerung, die alle bisher Genannten in den Schatten stellt. Am 4. November 1995 tritt Jacko bei "Wetten dass..?" auf. Ich war 10 Jahre alt, und "Wetten dass..?" war auch so schon aufregend genug. Die Presse spielte bereits im Vorfeld verrückt, und bei der Begrüßung zu Beginn der Show rief Thomas Gottschalk dem ekstatischen Publikum zu: "Tut doch nicht so, als wärt ihr wegen mir hier". Am Ende des Abends performte Jacko schließlich den Earth Song.



Von mehreren gleichaltrigen Freunden habe ich gehört, dass auch sie diesen Auftritt nie vergessen werden - eine der Kindheitserinnerungen, die bleibt.

Die Medien versuchen derzeit, den "King of Pop" treffend zu beschreiben. "König Einsam" titelt der Spiegel, andere nennen ihn "Das Pop-Gespenst", "Das monströse Genie", oder den "Mann, der niemals lebte". Auf Jackos Facebook-Seite schreibt ein Fan, dass Frank Sinatra erstmals eine Pause einlegen könne - denn Michael Jackson übernimmt jetzt das Entertainment im Himmel. "Keiner ist so hoch geflogen, und so tief gefallen". Keiner war so groß, und dabei so schwach.
Michael Jackson hat ein Leben verloren, das ich keinem wünsche. Der Planet hat seine bekannteste Persönlichkeit verloren, die Welt ist um ein Genie ärmer.